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RECUP: Pfandsystem für Kaffeebecher

by Marisa

Hi meine lieben fairladies,

heute freu ich mich euch ein besonders engagiertes, junges Unternehmen vorstellen zu können, das versucht die Welt, oder zumindest erstmal Deutschland, etwas von den Bergen an Einweg-Kaffeebechern zu befreien. In Deutschland werden pro Stunde etwa 320.000 Becher weggeworfen. Diesen Müllberg möchte die Münchner RECUP GmbH jetzt durch ein innovatives Mehrweg-Pfandsystem verkleinern und dadurch Coffee-to-go umweltfreundlich gestalten. Das System wurde bereits 2016 in Rosenheim erfolgreich getestet und will nun in neuem Design auch die bayerische Landeshauptstadt erobern. Gegründet wurde das Unternehmen von Fabian Eckert und Florian Pachaly. Ich durfte RECUP in München besuchen und Fabian erzählt uns heute, passend zum RECUP Start in München, ein bisschen was zum Hintergrund und den Erfahrungen in Rosenheim.

Woher kam die Idee zu RECUP?

Bei uns beiden in der Uni. Bei mir in Schweden gab es nur Einwegbecher in der Uni, auch zum hinsetzen also man konnte gar keine Tasse nehmen. Beim Flo gab es zwar Tassen aber die hat keiner genommen, sondern es sind immer alle mit Einwegbechern rumgerannt. Wir hatten dann beide die gleiche Idee, kannten uns aber nicht und wurden von Julia Post vernetzt. Ziemlich simpel und einfach.

Ihr habt in Rosenheim angefangen. Wieviele Partner habt ihr in Rosenheim?

Wir hatten von Anfang an 26 Partner in Rosenheim und haben immer noch 26 Partner, weil wir uns bewusst nicht vergrößert haben. Wir hatten irgendwann keine Becher mehr und haben gesagt wir können keine Becher mehr nachkaufen, weil wir noch gar nicht wissen wo wir hinwollen.

Wie funktioniert das System momentan in Rosenheim? Wo kauf ich mir meinen Becher, wo geb ich ihn zurück?

Bei allen Partnern die mitmachen, reingehen 1€  Pfand zahlen und den Becher dann in einer der teilnehmenden Filialen wieder abgeben. Wir kümmern uns dann drum, dass die Becher umverteilt werden und dass das Pfand immer ausgeglichen wird. Wenn ein Café zum Beispiel 200 Becher annimmt und dann 200€ Pfand rausgibt, hat es 200€ Minus in der Kasse und wir kümmern uns dann darum, dass die 200 Becher wieder weg kommen und die 200€ wieder hin.

Habt ihr Erfahrungswerte oder Rückmeldungen zum Nutzungsverhalten der Kunden?

Erfahrungen ja aber nichts statistisches weil wir natürlich keinen Zugriff auf Kassensysteme kriegen oder ähnliches. Sie bieten es nach wie vor an deswegen kann es nicht so schlimm sein (lacht). Wir wissen, dass kleine Cafés extrem viel Mehrweg haben, weil die einfach einen wahnsinnig nahen Kundenkontakt haben, viele Stammkunden, die das System sofort adaptiert haben.

Bei den größeren wissen wir, dass es ein bisschen schwieriger ist weil die Ketten extrem viel Schulungsaufwand haben. Jeder der hinter der muss das System verstehen und anbieten, denn die Leute nehmen es nicht einfach von alleine. Man muss schon sagen: „Möchtest du einen Mehrwegbecher oder einen Einwegbecher?“. Das kriegen wir schon immer mal wieder mit, dass das nicht so angeboten wird und sich die Leute dann wundern warum es vielleicht nicht so gut läuft. Prinzipiell sind die, die es nutzen sehr zufrieden.

Wie ist das Feedback von den Partnern, also von Café Seite?

Gut. Also ich glaube die würden sich aktuell ein bisschen mehr Marketing außen rum wünschen. Wir sind ja in Rosenheim nicht mehr präsent. Es gibt zwar die Becher überall und auch Plakate in den Cafés aber wir haben keine Masse bewegt, weil wir die Kapazitäten nicht hatten. Die Cafés sind an sich aber sehr zufrieden.

Gibt es irgendwelche bekannten Schwierigkeiten?

Schulungen. Da wo viel Personal ist muss auch viel informiert, weitergegeben und geschult werden. Jeder tickt ein bisschen anders, jeder hat ein anderes Verständnis dafür, nicht jeder hat ein Bewusstsein dafür warum das besser sein soll als Einwegbecher. Da haben wir natürlich auch das große Problem, dass unser Becher nicht nur wie Plastik aussieht, sondern auch aus Plastik ist und dann viele nicht verstehen wie das besser ist oder besser sein kann als ein Einwegbecher. Das sind so ein bisschen Aufklärungsprobleme die wir bestimmt haben.

Gibt es da den Wunsch das Bechermaterial zu ändern?

Klar. Wir werden es auch im nächsten Schritt noch nicht ändern können. Im Pfandsystem brauchen wir einfach ein Material das langlebig, leicht und robust ist. Der Becher muss viel aushalten, der muss oft gespült werden und soll dann immer noch genauso aussehen. Deswegen bleiben wir erstmal bei dem Material bis wir eine Alternative haben, die das genauso gut aushält wie der Plastikbecher. Unser Ziel ist es natürlich das System irgendwann mit einem anderen Bechermaterial noch nachhaltiger zu machen.

Wie ist das mit Bambus zum Beispiel? Das wird ja inzwischen bei vielen To Go Bechern verwendet?

Ne das geht gar nicht weil es einfach ökologisch gesehen nicht so sinnvoll ist. Da ist zum einen der Transport und ein Bambusbecher besteht einfach nicht nur aus Bambus, sondern aus Bambus und Verbundstoffen und Maisstärke und was alles dazu kommt. Die Kunstharze verhindern, dass man die Becher recyceln kann, die sind längst auch nicht so robust und halten keine 100 Spülgänge aus und wenn sie runterfallen zerbrechen sie. Das ist wirklich kein geeignetes Material für so ein Pfandsystem.

Danke für die Einblicke Fabian.

Heute, am 15. Mai, ist der Startschuss für RECUP in München gefallen. Im Rahmen der Kampagne “Rein. Und sauber” wird das Pfandbechersystem offiziell durch das Baureferat der Landeshauptstadt München unterstützt und schon jetzt sind 50 Cafés und Bäckerein mit dabei.

Auf dem Bild seht ihr den SERVUS-München-RECUP Becher. Die Becher bestehen aus dem recyclebaren Kunststoff Polypropylen, sind BPA-frei, lebensmittelecht und können ca. 500 mal wiederverwendet werden. In Zukunft soll auch in weiteren Städten gestartet werden die dann natürlich individuelle Editionen des Bechers umsetzen können. Ziel ist im Idealfall ein übergreifendes System anzustoßen, das bundesweit ausgerollt werden kann, damit wir gemütlich in München mit unserem SERVUS Becher in den Zug steigen und ihn in Hamburg abgeben können. Genauso praktisch wie mit der Einwegvariante, nur schicker und weniger Müll.

-yourfairlady

 

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